Vergangenen Freitag, am 15. März, demonstrierten in Neheim über 300 Schüler als Teil der Fridays for Future-Bewegung für mehr Klimaschutz und ein Ende der Stillstands-Politik der Bundesregierung. Folgende Worte richtete ich an die jungen Demonstranten, die an diesem Tag gemeinsam mit etwa 1, 4 Millionen Schülern in über 100 Nationen ein deutliches Zeichen setzten.

„Klimaschutz ist eine Sache für Profis.“, FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner
„Wir brauchen keine Schulschwänzer, sondern wir brauchen Demonstrationen für Politik und Demokratie.“, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)
„Greta Thunberg folgt eine ganze Armada ökopolitisch-korrekter Kindersoldaten. Was da geschieht ist politischer Kindesmissbrauch.“, AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen

Solche erbärmlichen Vorwürfe sieht sich unsere Bewegung in den letzten Wochen gegenübergestellt. Konservative und alte Politiker sprechen uns das Recht ab, für unsere Zukunft zu demonstrieren, bezeichnen uns als naiv und idealistisch, um uns kleinzuhalten und jegliche Legitimation für unseren Protest zu nehmen oder nennen uns Schulschwänzer, als sei das Fernbleiben vom Unterricht unsere Motivation, hier heute zu stehen.

Doch im Endeffekt sind die Politiker und älteren Generationen selbst für unser Laut sein, unseren zivilen Ungehorsam verantwortlich. Obwohl sie seit Jahrzehnten in dem Wissen sind, dass sich der Planet durch unsere Art zu wirtschaften, zu reisen, zu konsumieren als gäbe es keinen Morgen, in diesem katastrophalen Zustand befindet, schauen sie tatenlos zu. Sie sind dabei, 25 Millionen Jahre Evolution mit einem Fingerschnipp zu zerstören und uns die Lebensgrundlagen zu rauben, um ihre nicht zu stillende Gier nach Profit und Wachstum zu befriedigen. Nicht eine Sekunde denken sie dabei an die Folgen ihres Handelns und welchen Schaden sie damit der Natur und den Menschen anrichten.

Doch mal ehrlich: Wofür stehen wir hier eigentlich? So ein paar Grad wärmer heute wären doch sicherlich ganz angenehm. Oder wie Trump es twitterte: „Es friert und schneit – Wir brauchen die globale Erwärmung!“ Wir, als junge Generation, stehen hier, um an die Politiker zu appellieren, das Pariser Klimaabkommen, bei dem sich fast alle Staaten der Welt auf eine Begrenzung des menschengemachten Klimawandels auf deutlich unter 2° Grad geeinigt haben, einzuhalten. Wir stehen hier, weil es unseren Lebensgrundlagen sind, die gerade verspielt werden und jetzt der letzte Zeitpunkt ist, um mit konsequenten Maßnahmen den Klimawandel einzudämmen.

Dieser Klimawandel, der bereits in vielen Teilen der Erde Realität ist, bedeutet mehr als einfach nur ein Temperaturanstieg. Durch das Abschmelzen der Pole, welches dreimal so schnell stattfindet, wie es die Wissenschaftler in den 90ern noch prophezeiten, und der Erwärmung der Ozeane steigt der Meeresspiegel rasant an und wird in den nächsten Jahrzehnten vor allem die Existenz von an Küsten gelegenen Megacities wie Miami, New York oder Sydney, Hamburg und Barcelona, Mumbai, Bangkok, Tokyo, ich könnte diese Liste ewig so weiter führen, bedrohen.

Der Klimawandel lässt rund um den Äquator eine „Heißzone“ entstehen, in der kaum noch menschliches Leben möglich ist, durch Überschwemmungen, stärkere Unwetter und Stürme verlieren Millionen von Menschen ihr Obdach, Nahrungsmittel/- und Wasserknappheiten führen zu Klimakriegen, Kipppunkte im Klimasystem wie das Auftauen des Permafrostes werden eine Verselbstständigung des Klimawandels auslösen, wodurch der Klimawandel für uns unkontrollierbar und einen Temperaturanstieg weit über 5° Grad einsetzen wird, das sechste große Massenaussterben seit den Dinosauriern tritt ein, wobei über 75 % der Arten aussterben und neue Krankheitserreger werden sich durch die höhere Temperatur wesentlich schneller verbreiten. Allein in den nächsten 30 Jahren erwartet man durch diese Entwicklungen über 200 Millionen Klimaflüchtlinge.

Reichen all diese Gründe der Politik etwa nicht? Immer noch fliegen sie ohne verbindliche Ergebnisse von Klimakonferenz zu Klimakonferenz, wollen die Kohlekraftwerke bis 2038 laufen lassen, sparen die Bahn kaputt, fördern die Massentierhaltung und scheinen nicht mehr als Marionetten von Energieriesen und Autokonzernen zu sein. Gleichzeitig gaukeln sie der Bevölkerung vor, man könnte trotz Klimakrise ewig so weiterleben und weiter auf Wachstum, Wachstum und nochmal Wachstum setzen. Liebe Frau Merkel, dem Klimawandel ist es letztendlich völlig egal, ob er durch Trump und die Klimawandelleugner bei der AfD oder durch Tatenlosigkeit Ihrer Politik verursacht wird. Nur eins ist sicher: die Verlierer sind immer wir!

Deshalb streiken wir heute gemeinsam mit hunderttausenden Schülern weltweit in über 100 Nationen und an über 1000 Orten. Ja, mit unserem Fernbleiben vom Unterricht provozieren wir und nutzen bewusst diesen Akt des zivilen Ungehorsams, um Aufmerksamkeit zu erregen, das Thema auf Platz 1 der politischen Agenda zu heben, Debatten auszulösen und Druck auf die Politiker und älteren Generationen auszuüben. Wer würde uns denn bitte zuhören, über uns berichten, wenn wir hier Sonntagsnachmittag demonstrieren würden? Also Lindner, Laschet und Co., wenn euch unsere Proteste nicht passen, dann fangt an zu handeln, packt es an. Kohleausstieg 2030! Mehr erneuerbare Energien! Verkehrswende! Co2-Steuer! Raus aus der Massentierhaltung! Je eher ihr anfangt, desto eher sitzen wir wieder auf der Schulbank.

Es ist nicht mehr fünf vor Zwölf und der einzige Zeitpunkt, um die Verschmutzung und den Raubbau an der Erde zu stoppen, ich betone es ein letztes Mal, ist jetzt! Wir fordern die Politiker zum Handeln auf, fordern mehr Klimaschutz für die Zukunft des Planeten, die Zukunft unserer und kommender Generationen.

Und wir sagen Danke an euch alle, denn ihr seid es, die hier heute Mut beweisen. Wir lassen uns von Repressalien nicht aufhalten und werden, das verspreche ich euch, am Ende auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Wir sind die Veränderung, die die Welt so dringend braucht! Wir sind ihre letzte Hoffnung!

Und zuletzt liebe Kritiker, egal ob von AfD, FDP oder CDU/CSU noch zwei Anmerkung: Euer Gegenwind macht uns nur stärker und angesichts der drohenden Folgen durch die Klimakrise könntet ihr eigentlich froh sein, dass es nur das Brechen der Schulpflicht ist, die wir in Kauf nehmen. Deshalb: Wir bleiben laut, denn wir haben nichts zu verlieren, außer unserer Zukunft!

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