„Hitlerjunge Salomon“ bewegt Schüler am St.-Ursula-Gymnasium

„Hitlerjunge Salomon“ bewegt Schüler am St.-Ursula-Gymnasium

„Schalom“, mit diesem hebräischen Wort für Frieden begrüßte uns Sally Perel am Montagmorgen in der Aula unserer Schule. Knapp zwei Stunden erzählte der 92-Jährige über 300 Schülern der Stufen 9-12 seine Lebensgeschichte als Jude in der Hitlerjugend.

Nachdem Perel Anfang des Krieges mit seinem Bruder nach Ostpolen flieht, geht er auf ein sozialistisches Internat bis ihn die Wehrmacht 1941 beim Überfall auf die Sowjetunion gefangen nimmt. Der heute in Israel lebende Perel gibt sich als Volksdeutscher aus und wird fortan für die Wehrmacht als Dolmetscher tätig bis er auf ein Internat der Hitlerjugend (kurz: „HJ“) nach Braunschweig geschickt wird. Getarnt als Mitglied der HJ muss er seine jüdische Identität verbergen, lebt in ständiger Angst als Jude enttarnt zu werden und erlebt, wie er selber ein Teil des NS-Regimes wird, welches für den Tod von Millionen Juden verantwortlich ist. Diese einzigartige Lebenserfahrung verfasste Perel in seiner Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“, welche 1990 unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ erfolgreich verfilmt worden ist.

Während Perel´s Erzählung ist es ganz still im Raum und es herrscht eine ganz besondere, für die Schule ungewohnte Atmosphäre, die sich gar nicht so einfach mit Worten beschreiben lässt. Vielleicht eine Mischung aus Bedrücktheit und Bewunderung. Wie Perel seine Erinnerungen mit uns teilt, emotional und ganz nachdenklich, scheint es, als würde er seine Geschichte mit uns erneut durchleben und uns wie ein offenes Buch sein Innerstes anvertrauen. In diesem Innersten herrscht eine tiefe Zerrissenheit, denn durch seine einzigartige Biografie, ist Perel Opfer und Täter zugleich und beide Persönlichkeiten, so erklärt er, sind bis heute Teil seiner Identität.

Getarnt in Nazi-Uniform sucht er im jüdischen Ghetto in Łódź nach seinen Eltern, kann allerdings nur aus den Fenstern der Straßenbahn nach ihnen suchen. Doch Perel würde seine Eltern nie wiedersehen und sein Leben lang von den Bildern der vielen, zum Teil aufeinandergestapelten Leichen in dem Ghetto in Albträumen geplagt werden. Trotz all dieser, kaum in Worte zu fassenden Erlebnisse, hat er die Kraft gefunden, neu anzufangen und weiterzuleben, während wir schon wegen Kleinigkeiten im Alltag wie einer verhauenen Klausur die Welt untergehen sehen. Sally Perel personifiziert mit seiner ganz besonderen Aura die Zwiespältigkeit des Lebens und die Weisheit selbst, die er uns mit kleinen Anekdoten und Anmerkungen über Freundschaft und Toleranz mit auf den Weg gibt. Beeindruckend, was wir Schüler in so kurzen zwei Stunden außerhalb des Klassenzimmers alles von Perel fürs Leben lernen konnten.

Man sagt immer so floskelhaft und leichtfertig, dass einen ein Mensch zum Nachdenken anregt, doch Perel hat und da spreche ich wohl für die große Mehrheit der Schüler etwas in uns ausgelöst. Er hat mit seiner Geschichte nicht nur Schüler zu Tränen gerührt, sondern uns unbewusst dazu gebracht, dankbarer für das zu sein, was wir haben und mehr wertzuschätzen, in welcher friedlichen Zeit wir in Europa leben dürfen. Doch sei das keine Selbstverständlichkeit, betonte der für viele Schüler wohl letzte und einzige Zeitzeuge des Dritten Reiches und appellierte deshalb an die Verantwortung unserer Generation, dass sich dieses dunkelste Kapitel unserer Geschichte nie wiederholen dürfe. Wir danken Sally Perel, denn er hat Geschichte für uns für einen Augenblick lebendig gemacht.

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Warum 200 Jahre Karl Marx ein Grund zum Feiern sind

Warum 200 Jahre Karl Marx ein Grund zum Feiern sind

Philosoph, Vordenker, Kritiker, Ökonom, Veränderer, Revolutionär – diese Reihe von Bezeichnungen beschreiben Karl Marx nur zu einem Bruchteil. Ich müsste diese Liste schon arg ausbauen, um das Denken dieses Mannes nur im Ansatz zusammenfassen zu können. Geboren im Jahr 1818, feiert Marx in diesem Jahr am 05. Mai seinen 200. Geburtstag. Und selbst heute werden seine Theorien noch heiß diskutiert, obwohl seine Werke nur die Wenigsten gelesen und noch viel weniger diese verstanden haben. Stellen sich für Laien die Fragen: Was ist so besonders am Denken von Karl Marx und machen sich seine Werke nur gut im Bücherregal oder ist Marx heute noch zum Verstehen und Verändern dieser Welt relevant?

In den folgenden vier Abschnitten werde ich weniger auf den Philosophen Marx eingehen, sondern vielmehr auf seine politisch-ökonomischen Theorien, die überall auf der Welt noch heute Anklang finden. Aber Achtung: Es wird etwas länger als sonst und ich verspreche, dass Du am Ende anders auf Marx blicken wirst, solltest Du nicht schon vorher Sympathien mit ihm gehegt haben. Wetten?

Möglichst kurz und knapp: Wer war Karl Marx?

Karl Marx, geboren am 05. Mai 1818 in Trier, studierte zunächst Rechtswissenschaften in Bonn und später Geschichte und Philosophie in Berlin. 1841 wurde er mit 22 Jahren an der Universität Jena als Doktor der Philosophie promoviert und arbeitete die nächsten zwei Jahre bei der „Rheinischen Zeitung“, zuletzt als Chefredakteur, bis sie aufgrund ihrer kritischen und liberalen Position gegenüber Preußen eingestellt wird. Zusammen mit seiner Frau geht er nach Paris, vertieft dort seine Zusammenarbeit mit Friedrich Engels und befasst sich viel mit der politischen Ökonomie. Nachdem er 1845, mittlerweile als Staatenloser, aus Frankreich ausgewiesen wird, zieht er nach Brüssel. 1848 veröffentlicht er mit der Unterstützung Friedrich Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“ als Programm für den von Marx und Engels umgründeten „Bund der Kommunisten“. Bekannt sind daraus die Eingangsworte „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ und vermutlich kennt auch jeder den Schlussappell dieses Werkes: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Ein Jahr später muss er mit seiner Familie ins Exil nach London auswandern und wegen der schlechten finanziellen Lage sterben vier seiner sieben Kinder, noch bevor sie das zehnte Lebensjahr erreichen. 1864 gründet Marx die „Internationale Arbeiterassoziation“ mit und 1867 veröffentlicht er mit „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ eines seiner beiden Hauptwerke. In den letzten Jahren vor seinem Tod am 14. März 1883 in London schreibt Marx weiter am zweiten und dritten Band des Kapitals, welche erst nach seinem Tod von seinem Freund Engels veröffentlicht werden.

Proletariat gegen Bourgeoisie

An all dem Verfassten von Karl Marx lässt sich erkennen, dass er sich mehr mit der Analyse des Kapitalismus beschäftigte als mit der Entwicklung des Kommunismus, auf den ich noch später zu schreiben komme. Ziel des Ganzen ist für ihn die Schaffung einer empirischen Theorie, eines Fundaments, auf den sich die linken und sozialistischen Sammelbewegungen beziehen können, und gleichzeitig das Aufräumen mit vorherrschenden linken Meinungen und Theorien über den Kapitalismus. Ganz nach dem Motto: Man muss den Kapitalismus verstehen, um ihn zu überwinden. In den drei Bänden des Kapitals beschreibt Marx ganz detailliert, wie der Kapitalismus funktioniert und gibt einen Ausblick darauf, wie sich der Kapitalismus entwickeln wird. Das Besondere dabei: Marx hatte einen Blick auf die Welt, die bei ihm so noch gar nicht existierte, in der er selbst noch gar nicht lebte, da sich der Kapitalismus zu dem Zeitpunkt auf dem europäischen Kontinent noch gar nicht völlig ausgebreitet hatte. Das lässt ebenfalls die Bewunderung für seine Vorhersagen über die Entwicklung des Kapitalismus steigern, da es ihm gelang, „mit einem Weitblick und einer analytischen Schärfe am Anfang reißende Flüsse zu sehen, wo es erst kleine Bäche gab“, beschreibt es der Philosophieprofessor Michael Quante. Selbst heute, wo der Kapitalismus voll aufblüht, der Hochkapitalismus die Welt beherrscht, ist seine Analyse immer noch präziser und genauer als die meisten heutigen Theorien und Analysen. Marx konnte all das zwar nur erahnen, hat aber dennoch in den meisten Punkten Recht behalten.

Am Anfang steht natürlich die Frage, was denn überhaupt der Kapitalismus ist. Die meisten Unwissenden denken bei der Frage an Schlagwörter wie Geld, Märkte, Wettbewerb und Güter. Zwar alles Bestandteile des Kapitalismus, doch das Wesen des Kapitalismus ist für Marx die Vermehrung des Geldes durch Investition. So wird Geld zum Kapital, daher Kapitalismus. Er beschreibt dies mit der Formel G W G´, wobei Geld (G) in Waren (W) investiert wird und am Ende G´, also mehr Geld rauskommt. Diese Vermehrung des Geldes bezeichnet Marx als den sogenannten „Mehrwert“.

Marx unterteilt die Gesellschaft in zwei große Klassen: die Arbeiter als Proletariat und die Unternehmer, das wohlhabende Bürgertum als die Kapitalisten bzw. als Bourgeoisie, welche im Kapitalismus das Sagen haben. Doch da Marx in seinen Werken des Kapitals nicht moralisch, sondern ganz analytisch und mit Verständnis vorgeht, gibt er dem einzelnen Kapitalisten keine Schuld für das „Unheil“ wie z. B. Massenentlassungen, welches dieser in die Welt bringt. Marx sieht vielmehr eine Art Systemzwang, dem eben nicht nur das Proletariat, sondern auch die Bourgeoisie unterliegt. Somit hat der Kapitalist keine andere Wahl als beispielsweise menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und für das Überleben des Unternehmens und damit vieler anderer Arbeitsplätze zu sorgen. Des Weiteren sind die Kapitalisten dazu gezwungen, ihr Geld zu investieren, sprich „in Zirkulation“ zu bringen, um den Wert des Vermögens aufrechtzuerhalten.  Als kleiner Einschub, um das nochmal verständlicher zu machen: Die Comicfigur Dagobert Duck wäre laut Marx´ Theorie kein Kapitalist, da er zwar ein großes Vermögen besitzt, doch dieses nicht investiert, sondern im Tresor „verfaulen“ lässt. Dieser Sach- und Systemzwang, der gewissermaßen auch das berühmte Argument „wenn ich es nicht mache, dann macht es wer anders“ legitimiert, lässt den Menschen als Individuum im Kapitalismus in den Hintergrund rücken. Die Menschen werden in fast allen kapitalistischen Prozessen durch immer neue technische Entwicklungen immer entbehrlicher und dennoch verdichtet sich die Lebenszeit im Kapitalismus enorm. Da die Proletarier Reichtum schaffen, ohne selbst von ihm zu profitieren, bedeutet dieses System gerade für sie Entfremdung. Es entsteht die neue Ware: menschliche Arbeitskraft.

Karl Marx heute

Wie schon erwähnt, hatte Marx die Fähigkeit oder vielleicht auch einfach nur das Glück, vorauszusagen, wie sich der Kapitalismus entwickeln würde. Er sagte diesem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem eine Geschichte von Krisen voraus und glaubte, dass sich der Kapitalismus noch im 19. Jahrhundert selbst zerstören würde. In dem Punkt hat Marx also Unrecht gehabt, doch zugegeben, konnte man zu der damaligen Zeit sehr schnell zu diesem Entschluss kommen, wenn man sich anschaute, in welchem katastrophalen Zustand sich der Kapitalismus zu der Zeit befand: Stichwort Kinderarbeit, schlechter Lohn, bis zu 18 h arbeiten am Tag unter unmenschlichen Zuständen usw. All dies hätte auf Dauer vermutlich zum Umsturz geführt. Doch es kam anders und der Kapitalismus wurde mit der Zeit auch für die Proletarier durch beispielsweise die Arbeit der Gewerkschaften „lebensfreundlicher“.

Und heute – knapp 150 Jahre nach Erscheinen des Kapitals? Ist die Kritik von Marx heute noch aktuell? Und wie schaut es aus in unserem Zeitalter des Hochkapitalismus? Einer der wohl wichtigsten Punkte ist die nicht mehr gerade verlaufende Grenze zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Sie ist verschwommen und das Klassenverhältnis ineinander verstrickt und komplexer als früher. Ich glaube zwar, dass man die Gesellschaft immer noch in zwei Klassen unterteilen kann, doch stehen sich Proletariat und Bourgeoisie nicht mehr direkt gegenüber. Stellt sich gleichzeitig die Frage: Wie können wir die beiden Klassen heutzutage definieren? Sind Kapitalisten immer noch die, die die menschliche Arbeitskraft „ausbeuten“ oder muss man überhaupt Arbeitnehmer unter sich haben, um zur Bourgeoisie zu gehören? Und ist jeder Arbeitnehmer automatisch Proletarier oder muss man sich dafür selber „ausgebeutet“ fühlen? Oder trennt gar die Zugehörigkeit zur Krankenkasse die Klassenzugehörigkeit – die Proletarier als die gesetzlich Versicherten und die Kapitalisten als Mitglieder in einer privaten Krankenkasse? Klar ist auf jeden Fall, dass die frühere Definition des Proletariats, ein besitzloser und ausgebeuteter Arbeiter zu sein, in Deutschland kaum noch existent ist. Wir haben das Proletariat in die Entwicklungs- und Schwellenländer „outgesourct“, wo es nun für unsere Smartphones in einsturzgefährdeten Minen in Afrika Kobalt abbaut und in ebenso einsturzgefährdeten und chemisch verseuchten Textilfabriken in Indien unsere Kleidung näht.

Ein weiterer Kritikpunkt am Kapitalismus war für Marx die Oligopolisierung, sprich die Konzentration weniger Großunternehmen auf einem bestimmten Markt, die diesen somit beherrschen. Schaut man sich heutzutage mal die Produkte und deren Marken genauer an, findet man heraus, dass hinter dieser vermeintlichen Produktvielfalt tatsächlich nur wenige globale Großkonzerne wie Nestlé, Coca Cola, Kraft und Procter and Gamble stehen. Dass es in einer Marktwirtschaft auf Dauer immer auf diese Oligopolisierung hinausläuft, liegt an dem einfach Paradox: Wettbewerb zerstört Wettbewerb.

Ein weiteres Phänomen, welches wir in den letzten Jahren bereits öfter erleben mussten, sind die Finanzkrisen. Auch das hat Marx kommen sehen. Die Finanz- und Kapitalwirtschaft entkoppelt sich zunehmend von der realen Wirtschaft, beschäftigt sich mehr und mehr mit Spekulationen und Geld, welches faktisch gar nicht existiert. Und vermutlich muss es erst noch den einen oder anderen größeren Crash geben, bis angefangen wird, dieses System strenger zu regulieren.

Passend zu dem Beispiel der Bankenkrise bemängelt Marx den Umgang mit Gewinnen und Verlusten im Kapitalismus. Dazu kritisiert er: „Gewinne werden privatisiert – Verluste sozialisiert“ und hat damit bis heute Recht behalten. Den Profit vom Wachstum stecken sich die Banker, Vorstandsvorsitzenden und CEOs in die eigenen Taschen. Doch sobald beispielsweise eine „systemrelevante“ Bank rote Zahlen schreibt, muss der Staat und somit der Steuerzahler herhalten.  Der wohl größte sozialisierte Verlust des Kapitalismus: die Zerstörung unserer Umwelt. Immer öfter hören wir in den Nachrichten von Überschwemmungen, Dürren, Artensterben und anderen Folgen des Klimawandels und des übertriebenen Ressourcenverbrauchs. Ein Problem, das Marx kommen sah. Denn jeder, der bis drei zählen kann, wird bemerken, dass der Kapitalismus, also ein Wirtschaftssystem, das von ständigem Wachstum und somit ständigen Ressourcenverbrauch in einer endlichen Welt lebt, auf Dauer nicht funktionieren kann und ein ökologisches Problem immensen und unvorhersehbaren Ausmaßes verursachen wird. Dass der Kapitalismus, so wie wir ihn kennen, nicht mehr lange existieren wird, ist klar. Wie lange dieser Planet, so wie wir ihn kennen, noch existieren wird, liegt jedoch an uns. Stellt sich abschließend die große Frage, die bis heute noch kein Ökonom und Wahrsager beantworten kann: Was kommt nach dem „Zusammenbruch“ des Kapitalismus?

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Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte

Kommunismus – anstrebenswerte Utopie oder Weg in Totalitarismus?

Marx entwickelte die gesellschaftstheoretische Utopie des Kommunismus als Ausweg und Alternative zum Kapitalismus. Ziel ist die Herstellung einer herrschafts- und klassenlosen Gesellschaft, in der – überspitzt gesagt – allen alles gehört. Die Grundwerte einer solchen Gemeinschaft sind soziale Gleichheit und Freiheit. Von zentraler Bedeutung dafür sind zum einen das Gemeineigentum und zum anderen die „freie Arbeit“. Beim Gemeineigentum werden die Produktionsmittel verallgemeinert, liegen nicht mehr in privater Hand und somit kann ein jeder von dieser Verallgemeinerung profitieren. Die „freie Arbeit“ ersetzt die gesellschaftliche Arbeit und ermöglicht jedem Einzelnen, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“

Kritik am Kommunismus gibt es viel, die größte jedoch liefert Marx selber. Als Vorstufe zum Kommunismus benötige es den Sozialismus bzw. die „Diktatur des Proletariats“, welche anfällig für Machtmissbrauch sei. Die Geschichte realisierte die Befürchtung Marx. Im 20. Jahrhundert wurde fast die halbe Welt vermeintlich kommunistisch und radikale Revolutionäre wurden zu größenwahnsinnigen Diktatoren, die ihre Staaten mit einer totalitären Philosophie des Terrors und der Unterdrückung „regierten“. Vermeintlich kommunistisch? Ja, der Kommunismus, wie ihn Marx definierte und predigte, hat faktisch noch in keinem Staat dieser Welt existiert. Stalin, Mao und der Rest dieser Gewaltherrscher haben somit nicht nur ihre Macht, sondern auch den Namen Karl Marx missbraucht, um ihre Länder in den Totalitarismus zu führen. Doch ist nicht die heutige Renaissance von Marx und seinem Denken, trotz all der Verbrechen, die unrechtmäßig in seinem Namen begangen wurden, der Beweis dafür, wie Recht er mit seiner Analyse und Kritik am Kapitalismus hatte?

Ich bin kein Marxist

Bereits zu Lebzeiten des Ökonomen und Philosophen wurde in seinem Namen Politik gemacht, wovon er sich jedoch mit dem Geständnis: „Alles was ich weiß: Ich bin kein Marxist!“ distanzierte. Sobald ich die Frage gestellt bekomme, ob ich Marxist sei, antworte ich ebenfalls mit diesen Worten, obwohl ich die Analyse und Kritik am Kapitalismus von Marx so unterschreiben könnte.

Zu seinen Lebzeiten mag er bei den ausgebeuteten Arbeitern, für die seine Werke maßgeblich bestimmt waren, nicht viel Widerhall gefunden haben. Selbst die erhoffte Revolution blieb aus und kein Staat wurde jeher kommunistisch. Dennoch hat Marx immer weiter geschrieben und liefert heute, in dem Jahr seines 200. Geburtstags, wohl eine der aktuellsten Analysen und Kritiken dieses globalen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Ich bezweifele zwar, dass er eine so durchkapitalisierte Welt, wie wir sie derzeitig erleben und unhinterfragt hinnehmen, für möglich gehalten hätte, doch ist er in meinen Augen einer der größten Vordenker der Geschichte.

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ – Karl Marx

Quellen:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/aufstieg-fall-kommunismus-karl-marx-100.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46275515.html

https://www.dhm.de/lemo/biografie/karl-marx

http://www.deutschlandfunk.de/karl-marx-und-seine-bedeutung-heute.1148.de.html?dram:article_id=180769

http://cicero.de/wirtschaft/warum-marx-immer-noch-aktuell-ist/42029

http://www.zeit.de/2017/05/karl-marx-kapitalismus-probleme-rechtspopulismus-ungleichheit

https://www.youtube.com/watch?v=A7VjMDQrM1M

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19938/kapitalismus

http://www.stepmap.de/landkarte/lebensweg-karl-marx-1400116

„Das Philosophie Buch“, DK London

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20648/sozialismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19801/kommunismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kapital

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-das-philosophische-radio/index.html

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/keep-calm-and-read-marx

https://www.zdf.de/dokumentation/die-deutschen/karl-marx-und-der-klassenkampf-100.html

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/das-kapital-wird-150-hatte-karl-marx-doch-recht-100.html