Im Gegensatz zu unseren Groß- und Urgroßeltern oder zu unseren Mitmenschen anderswo auf der Welt haben wir mit Hunger keinerlei Erfahrungen. Ganz im Gegenteil. An jeder Ecke springt uns das Essen aus den Auslagen der Bäckereien und Metzgereien entgegen, der Geruch von Pizzerien und Dönerbuden erfüllt die Luft und in den Städten reiht sich Supermarkt an Supermarkt. Gerade deshalb stellt sich für mich die Frage: Weshalb muss fast ein ganzer Kontinent an Hunger leiden und sterben, während wir in Mengen Nahrungsmittel wegwerfen und uns ein paar Feiertage ausreichen, um gleich mehrere Kilogramm zuzunehmen?

Fast 9.000 tote Kinder täglich

Ich weiß, die meisten Zahlen und Statistiken gehen meist links rein und rechts raus, doch bedenkt man, dass es sich hierbei um Menschenleben, insbesondere um Kinder handelt, erschreckt man. Deshalb hier die wichtigsten Zahlen der Vereinten Nationen und einiger großer Hilfsorganisationen kurz hintereinander weg. Weltweit gibt es etwa 815 Millionen Hungernde. 232 Millionen davon leben in Afrika und somit hungert jeder 4. Mensch auf dem Kontinent oder leidet unter dem „verborgenen Hunger“, bei dem die Menge an Nahrung zwar ausreichend ist, doch auf Dauer zu einseitig und somit ebenfalls zum Tod führen kann. Darunter sind auch viele Kinder. 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an Hunger in Afrika, das sind mehr als 8.750 am Tag. Besonders betroffen sind die Länder südlich der Sahara, man spricht von Subsahara-Afrika. Es ist die offiziell ärmste Region der Welt mit fast 50 % der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze leben. 40 % der Kinder, die dort leben, sind aufgrund von chronischer Unterernährung zu klein und zu schwach.

All diese Zahlen sind schon seit etlichen Jahrzehnten so hoch. Doch 1990 begann die Zahl der Hungernden zu sinken und bei der UN-Generalversammlung im Jahr 2000 einigten sich die Mitgliedsstaaten darauf, den globalen Hunger zu bekämpfen und so bis 2030 dafür zu sorgen, dass kein Mensch auf der Welt mehr hungern muss. Und lange schien es so, als würde man diesem Ziel immer näher kommen. Bis die Zahlen seit über einem Jahr wieder begannen, um über 10 % zu steigen. Alarmierende Zahlen. Eigentlich ein Weckruf für die reichen Industriestaaten.

Wer ist schuld an all dem Leid?

Warum ein so großer Teil der afrikanischen Bevölkerung unter Hunger leidet, lässt sich nicht auf genau eine Ursache runterbrechen. Die Gründe sind zahlreich und scheinen mit der Zeit sogar zuzunehmen. Also: Was führt zu diesem seit Ewigkeiten existierenden Hunger?

  • Durch ungerechte Handelsstrukturen mit der EU, den USA und China wird der afrikanische Markt mit Billigprodukten überschwemmt und die lokale Industrie bis hin zu Fischern und Kleinbauern kann mit dem Preisniveau der importierten Produkte nicht mithalten.
  • Die landwirtschaftliche Infrastruktur ist schlecht.
  • Der Klimawandel verursacht Wetterextreme, Dürren, Fluten und Stürme, und macht dadurch immer mehr Anbau- und Weideflächen unbrauchbar. Zudem kommt es zu Ernteausfällen.
  • Der westliche Kapitalismus lässt auswärtige Großkonzerne die reichen Bodenschätze ausrauben und bestimmt durch Börsenspekulationen den globalen Hunger.
  • Das starke Bevölkerungswachstum, mit dem die Nahrungsmittelproduktion nicht mithalten kann
  • Bewaffnete Konflikte führen zu Vertreibung und somit zu Hunger.
  • Schulden, Korruption und Misswirtschaft hemmen die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch die Produktion von ausreichend Nahrungsmitteln.
  • Epidemien und Krankheiten wie Malaria oder Ebola nehmen Familien den Versorger und sorgen für einen Rückgang des landwirtschaftlichen Ertrages.
  • Wir! Durch unseren übertriebenen Lebensstandard, bei dem wir auf keinen Funken Wohlstand verzichten können, obwohl wir wissen, was wir dadurch verursachen.

Bis 2030 kein Hunger mehr auf Erden?

Was wäre das für ein Erfolg für die Weltgemeinschaft, wenn der globale Hunger bis 2030 tatsächlich besiegt werden würde. Doch dafür müssten wir mal ernsthaft anfangen, ihm den Kampf anzusagen.

Eine Herkulesaufgabe für „den Westen“? Ja und Nein. Ja, denn dafür müssten Politiker anfangen, den ausbeuterischen Teil des Kapitalismus zu bändigen und sich damit mit den fast weltbeherrschenden Großkonzernen anlegen. In einer optimalen Welt dürfte nicht mit Grundbedürfnissen an den Börsen spekuliert werden und nicht die Konzerne, sondern in erster Linie die Menschen vor Ort in Afrika profitieren von den dort abgebauten Ressourcen.

Nein, es wäre keine Herkulesaufgabe, da die westlichen Industrienationen und deren reiche Bewohner über mehr als ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um den Hunger überall auf der Welt noch vor morgen zu beenden. So sollte Deutschland meiner Ansicht nach auch lieber die Entwicklungshilfe auf 2 % des BIP erhöhen, bevor man es überhaupt wagt, den Etat der Bundeswehr auf die besagten zwei Prozent zu erhöhen, nur weil Donald Trump das so will. Zudem könnte die Europäische Union damit beginnen, faire Handelsstrukturen zu schaffen. Das würde noch nicht mal heißen, die afrikanischen Staaten bei ihrer Entwicklung zu unterstützen, sondern einfach damit aufzuhören, sie an der Entwicklung zu hindern. Unter dem Aspekt der Handelsbeziehung wäre es außerdem doch förderlich, wenn man der afrikanischen Wirtschaft erlaubt, ihre Produkte zollfrei in die EU zu exportieren, während westliche Staaten Zölle zahlen müssen, um ihre Produkte auf dem afrikanischen Markt zu verkaufen. Das wäre doch mal richtige Entwicklungshilfe! Letztendlich sind das alles Forderungen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wahrscheinlich nicht in der Realität umgesetzt werden, da die Macht der Großkonzerne ungebrochen ist und sogar noch wächst und diesen Profit, steigende Aktien und Gewinne, Gewinne, Gewinne wichtiger sind als das Leben und das Wohl der Menschen. So liegt das Weltverändern am Ende doch wieder bei uns.

Und solange WIR uns regelmäßig das neueste Smartphone kaufen, keinen Tag ohne Fleisch auskommen oder für eine Wochenende nach Mallorca fliegen, nur weil der Flug gerade so günstig ist, tragen wir unseren Teil zu der Misere bei.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/ausland/afrika-hunger-101.html

https://www.tagesschau.de/ausland/afrika-hungersnot-101.html

https://www.sos-kinderdoerfer.de/unsere-arbeit/wo-wir-helfen/afrika/hunger-in-afrika

https://www.aktiongegendenhunger.de/fao-bericht-zahl-der-hungernden-steigt-wieder

https://www.3sat.de/page/?source=%2Fboerse%2Fmagazin%2F184106%2Findex.html

http://www.dw.com/de/eu-freihandel-mit-afrika-unfairer-deal/a-37073640

http://de.wfp.org/hunger-afrika

http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik

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Ein Gedanke zu “Afrika darf nicht sterben!

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