Living Planet Report – die Krankenakte unseres Planeten

In diesem Jahr besuchte ich bereits zum zweiten Mal die Living Planet Tour. Auf dieser Tour stellt der Naturfilmer und ZDF-Moderator der Sendung Terra X, Dirk Steffens, den Living Planet Report des WWF anschaulich und leicht verständlich vor. Diesen Bericht, der alle zwei Jahre veröffentlicht wird, kann man als die Krankenakte unseres Planeten bezeichnen.

Aufgrund unseres schlechten Umgangs mit der Erde sprechen Wissenschaftler mittlerweile von einem neuen Erdzeitalter: Dem „Anthropozän“, dem Menschenzeitalter. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“, erklärte Mahatma Gandhi schon vor einiger Zeit. Aber immer noch zerstören wir Tag für Tag unser eigenes Zuhause, beuten das Kapital der Natur aus, als ob es da draußen noch einen Planeten B gäbe. 2012 verbrauchte die Menschheit die Ressourcen von 1,6 Erden. Bis 2030 werden es wohl zwei sein.

Ein wesentlicher Punkt des Living Planet Reports ist das Artensterben. Obwohl diesem Thema in der Öffentlichkeit nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist es mindestens genauso schlimm wie der Klimawandel. Mit dem Living Planet Index wird der Zustand der biologischen Vielfalt erfasst. Hierzu wurde die Entwicklung der Bestandsgröße von über 14.000 Populationen betrachtet. Bei den Wirbeltieren verzeichnete der WWF von 1970 bis 2012 einen Gesamtrückgang der Bestände von 58 %. Bis 2020 wird ein Rückgang aller Wildtierbestände um durchschnittlich 67 % erwartet. Die biologische Vielfalt auf unserer Erde hat sich also in den letzten vier Jahrzehnten mehr als halbiert. Deshalb kann man schon von dem Beginn des sechsten großen Massenaussterbens sprechen. Zum Vergleich: Beim letzten großen Massensterben, bei dem auch die Dinosaurier ausstarben, sind ¾ aller Arten umgekommen. Bei den Arten im Süßwasser wurde seit 1970 mit über 80 % der größte Rückgang von Populationen beobachtet. Grund dafür ist insbesondere die Überfischung. In Deutschland ging die biologische Vielfalt ebenfalls seit 1970 um etwa 37 % zurück. Von 32.000 heimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind 5,6 % seitdem ausgestorben und ganze 30 % gefährdet. Hierzulande ist dieser dramatische Rückgang vor allem auf die intensive Landwirtschaft zurückzuführen. Andere Gründe für das weltweite Artensterben sind invasive Arten und Krankheiten, Umweltverschmutzung, der Klimawandel, Wilderei, Verschlechterung und Verlust von Lebensräumen sowie die Übernutzung von Tierarten. Ein Beispiel für die Zerstörung von Lebensräumen ist der Wald. Die Zerstörung der Wälder ist zwar in den letzten 25 Jahren etwas zurückgegangen, jedoch sind in dieser Zeit ca. 239 Hektar Naturwald vernichtet worden. Das ist mehr als 6,5 x die Fläche von Deutschland. Und schauen wir auf diese Entwicklung seit 1750, so müssen wir feststellen, dass wir seit dem fast 1/3 aller Waldflächen zerstört haben. Und um sich das nochmal bildlich vorstellen zu können: Jede Minute werden etwa 35 Fußballfelder Wald gerodet.

Verursacht wird dieses Schreckensszenario ausschließlich von uns. Das zeigt sich deutlich bei der Biokapazität, bekannter als der ökologische Fußabdruck. Dieser wird aus den Landflächen berechnet, welche für die Bereitstellung von Ressourcen und für die Aufnahme von Abfallprodukten erforderlich sind und wird im durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch für jedes Land angegeben. Der Fußabdruck dürfte pro Kopf eine Größe von 1,7 gha (globaler Hektar) haben. Einige Nationen übersteigen diese verfügbare Biokapazität um mehr als das sechsfache. Vorne mit dabei sind neben den USA auch Kanada, Australien, Belgien und Schweden. Deutschland verfügt über eine Biokapazität von 2,3 gha, die jeder verbrauchen dürfte. Doch auch wir übertreiben es gerne mit unserem Konsum und benötigen deshalb 5,3 gha pro Kopf.

Wir, die Menschheit, haben die Erde in ein „lebensbedrohliches Burn-Out“ getrieben und zerstören somit unser eigenes Zuhause. Die drastisch steigende Weltbevölkerung, immer mehr Wetterextreme wie Dürren oder Überschwemmungen, steigende Nahrungs- und Wasserknappheit und immer weniger bewohnbares Land  stellen uns vor Probleme, die wir in ein paar dutzend Jahren sicherlich nicht mehr lösen werden können. Dirk Steffens erklärte, dass es beim Klimawandel wie auch beim Artensterben einen „Tipping-Point“ gibt, durch den das ganze System kippen wird und unaufhaltbare Teufelskreise geweckt werden. Mit einem Jenga-Spiel versuchte Steffens, der unter anderem auch UN-Dekade-Botschafter für biologische Vielfalt und Honorarkonsul der Republik Palau ist, das Problem des Artensterbens zu veranschaulichen. Jeder Stein steht für eine Tierart und jede Art ist mit anderen vernetzt. Wenn nun eine Tierart, beispielsweise der Eisbär, aussterben wird, wird das unser Leben keineswegs verändern (wie auch der Turm stehen bleibt). Aber es gibt diese eine Tierart, die das Zünglein an der Waage ist und den ganzen Jenga-Turm zum Einstürzen bringen wird. Und deshalb müssen wir jede Tierart, egal wie klein und unbedeutend sie für uns sein mag, mitsamt ihrem Lebensraum schützen. „Wenn zu viele Arten sterben, sterben irgendwann auch wir.“

„Das mit dem Welt retten funktioniert tatsächlich“, erklärt Dirk Steffens. So konnte beispielsweise der Bestand der Großen Pandas in China seit der letzten Zählung 2004 um 17 % auf über 1860 Tiere wachsen. Ähnlich ist es bei der Kegelrobbe, deren Population in den 80er Jahren mit nur 2.500 Tieren einen Tiefstand erreichte, sich aber mittlerweile wieder auf 24.000 erhöht hat. Jeder kann auf seine Art und Weise die Welt retten. Wenn jeder überlegt, was er konkret in seinem Leben für die Umwelt tun kann, können wir schon viel verändern.

Es gibt keinen Planeten B!

„Wir haben den Erdball zum Spielball gemacht.“
-Manfred Hinrich

„Wenn der Brunen trocken ist, schätzt man erst das Wasser.“
-Arabisches Sprichtwort

„Die Erde gehört sowohl denen, die nach uns kommen, als auch uns.“
-John Ruskin

Quellen:

http://www.footprintnetwork.org/content/documents/LPR_2016_summary_German.pdf

http://awsassets.panda.org/downloads/lpr_living_planet_report_2016.pdf

http://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/kegelrobbe/ostsee-kegelrobbe/

http://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/grosser-panda/hilfe-fuer-den-panda/

https://www.youtube.com/watch?v=uJhaCAWnK6Q

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